Bitumen-Dämmmatten mit Trockeneis entfernen

#1
Ich möchte hier mal meine Erfahrungen bezüglich des Entfernens von den Bitumen-Antidröhnmatten teilen.

Diese Matten sind im X1/9 in den Fußräumen, unter den Sitzen und zum Teil auch in den Türen zu finden. Die Matten wurden bei der Montage aufs grundierte Blech geklebt. Über die Jahre neigen diese Matten jedoch zum verspröden, was dazu führt, dass sich die Matten teilweise ablösen und von Feuchtigkeit unterwandert werden. Oft sind dann großflächige Durchrostungen die Folge.

Manche Leute entfernen die Matten in dem sie diese mit einem Heißluftföhn erwärmen und dann mit einem Spatel abschaben.
Dies Methode kann ich jedoch höchstens empfehlen, wenn man nur an einer kleinen Stelle die Matten entfernen möchte, da diese Methode sehr zeitaufwendig ist und viele Rückstände bleiben, welche man danach mit einem Lösemittel entfernen muss. Des Weiteren kann man so Rückstände der Matten z.B. in Blechdoppelungen nicht vollständig entfernen.

Sehr viel einfacher und sauberer geht es mit Trockeneis und Alkohol. Einfach die Matten mit Trockeneis-Pellets bedecken und mit etwas Alkohol benetzen. Durch die niedrigen Temperaturen werden die Matten sehr spröde. Gleichzeitig schrumpfen die Matten erheblich mehr als das sich darunter befindende Blech, wodurch diese in großen Stücken einfach „abplatzen“. An Stellen mit Hinterschneidungen kann es erforderlich sein, dass man mit einem Gummihammer und ein paar sanften Schlägen etwas nachhelfen muss. Wenn das Trockeneis verdampft ist, kann man die Stücke einfach zusammenkehren. Zurück bleibt entweder das saubere, unbeschädigte, grundierte Blech, oder aber, an den Stellen welche von Feuchtigkeit unterwandert wurden, der Rost.
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Hier der Ausgangszustand, nach dem der Teppich und die faulen Faserdämmmatten entfernt wurden.


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Hier das Ganze mit Trockeneis bedeckt. Damit das Ganze gut funktioniert ist es wichtig, dass man nun alles gleichmäßig mit Alkohol benetzt. Die Matten müssen sich schnell und gleichmäßig abkühlen, nur so platzen sie von selbst ab.


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Dies bleibt zurück, wenn man die Resten zusammen gekehrt hat. Das verschließen der „Zwangsbelüftung „ im Schweller/Bodenblech erfordert leider etwas mehr Arbeit.


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So sehen die entfernten Stücke der Bitumenmatten danach aus.

Re: Bitumen-Dämmmatten mit Trockeneis entfernen

#4
Hatte ich auf Youtube auch schon gesehen.
Allerdings ohne Alkohol.
Das scheint ein entscheidender Punkt zu sein, da bei den Filmen die ich gesehen hatte deutlich mehr Handarbeit nach dem Abkühlen nötig war.
Super Sache!
Gruß Querlenker

Emerson Fittipaldi - Formula 1 World Champion 1972-1974 :
"...I'm not exaggerating, the X1/9 drives just like a Formula 1. I've not often tested a car with road holding as good and as 'true' as this..."

Re: Bitumen-Dämmmatten mit Trockeneis entfernen

#5
Pauer hat geschrieben:
3. Jan 2021, 16:26
Hast Du keine Angst, dass da möglicherweise auch das Blech irgendwo Spannungsrisse bekommen könnte?
Ich bezweifle dass dies ein Problem darstellen könnte.
Das Trockeneis weist eine Temperatur von ca. -78°C auf.
Da sich zwischen Trockeneis und Stahlblech aber noch die Bitumenmatte und Farbe befindet, wird sich das Blech ohnehin nicht ganz so stark abkühlen.
Bei den meisten niedriglegierten Stählen ist der Verlust der Duktilität bei diesen Temperaturen noch gering.
Die Temperaturschwankung und die damit verbundene Wärmedehnung liegt ebenfalls noch in einem Bereich, welcher die Karosserie unter normalen Bedingungen ausgesetzt ist.

Man sollte jedoch die beim Umgang mit Trockeneis nötigen Sicherheitsvorkehrungen treffen.
Da es bei Berührung zu Kälteverbrennungen kommen kann sollte man eine Schutzbrille und Handschuhe tragen.
Das bei der Sublimierung des Trockeneis freigesetzte CO2 Gas ist an sich zwar nicht Giftig, durch die große Volumenzunahme kann es jedoch die Raumluft verdrängen. Man sollte also für ausreichende Belüftung sorgen und es nicht in der nähe von Gruben, Kellern etc. anwenden, da es auch eine etwas höhere dichte als die Raumluft aufweist.

Re: Bitumen-Dämmmatten mit Trockeneis entfernen

#6
Das Problem ist ja nicht, dass der Stahl -20 oder -40 Grad sieht: das hält er aus. Ich hatte von Spannungsrissen gesprochen, da man ja die Pressteile des Bodens mit ggf. vorhandenen (und teilw. erwünschten) Eigenspannungen ungleichmäßig abkühlt: lokal -30 bis -40 Grad und drum rum vielleicht +25, je nach Außentemperatur.

Aber wenn Du da nichts beobachtet hast scheint das ja wirklich nebenwirkungsfrei zu funktionieren.
Danke für Deinen Erfahrungsbericht.

Re: Bitumen-Dämmmatten mit Trockeneis entfernen

#8
Surbostel hat geschrieben:
17. Jan 2021, 19:50
das ist ja absolut genial.
Mann lernt nicht aus.
Danke für den tollen Tip. Das solltest Du mal der Redaktion der Oltimer Praxis als technischen Tip anbieten. Dafür bekommst Du sicherlich ein ganz, ganz dickes Lob.
Hans-Jürgen
Das habe ich schon vor Jahren als Beitrag in einem Bericht über Autos und Restauration gesehen..
Ist also nicht wirklich was neues...


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:angel: